• Fotos: Tadano Demag

„Wir wollen ,One Tadano‘ werden!“


Interview mit Jens Ennen, CEO Tadano Demag GmbH.


Herr Ennen, in der Politik wird ja gern nach 100 Tagen im Amt eine erste Bilanz gezogen, warum nicht auch im Krangeschäft? Wie fällt Ihre Bilanz als neuer Geschäftsführer von Tadano Demag nach dem Unternehmensübergang aus?

Ennen: Um ehrlich zu sein, es ist eine herausfordernde Aufgabe. Ich hatte mir das zu Beginn etwas einfacher vorgestellt. Allerdings bin ich auf der anderen Seite sehr positiv gestimmt, was die noch vor uns liegenden Aufgaben betrifft. Schließlich sind hier in Zweibrücken bekanntermaßen hervorragende Mitarbeiter beschäftigt, die nicht nur über ein langjähriges, sondern gerade auch fundiertes, technisches Wissen beim Bau von Mobilkranen verfügen.

Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer derzeitigen, aber auch der zukünftigen Arbeit? Wo liegen die Herausforderungen für das Unternehmen?

Ennen: Es gibt viel zu tun. Nach meinen ersten Monaten hier im Werk habe ich den Eindruck gewonnen, dass der Zusammenhang zwischen den einzelnen Teams in den vergangenen Jahren etwas verloren gegangen ist. Heißt, die Teams arbeiten bei bestimmten Projekten oder Vorhaben parallel, ohne sich gegenseitig abzustimmen. Eine Aufgabe wird es also sein, die Kommunikation zwischen den Teams einerseits zu verbessern, und dann aber auch die Zusammenarbeit untereinander zu intensivieren. Das Vorgehen muss einfach deutlich mehr abteilungsübergreifend erfolgen. In der Vergangenheit ist so die Umsetzung von Projekten zu langsam erfolgt, wir wollen da, besonders auch im Sinne der Kunden, schneller werden.

Realistisch gesehen, wann werden erste Synergieeffekte spürbar bzw. sichtbar sein? Wo lassen sich schnell Gemeinsamkeiten mit Tadano Faun realisieren, wo wird es länger dauern?

Ennen: Bereits in absehbarer Zeit soll ein Ziel erreicht werden: Wir wollen mit den beiden deutschen Standorten, also Lauf und Zweibrücken, „One Tadano“ werden. Das setzt natürlich ein gemeinsames Management voraus. Beide, heute noch selbstständigen Einheiten, sollen so nicht zuletzt auch durch die relative räumliche Nähe ein Management auf gemeinsamen Füßen erhalten, das durch eine Doppelspitze geführt wird. Das werden Kenichi Sawada auf der kaufmännischen Seite als CCO und ich als COO für beide Werke mit der Verantwortung für Konstruktion, Einkauf, etc. sein, wobei ich dann auch als Vorsitzender beider Unternehmen agieren werde. Unter der genannten Doppelführung werden dann die einzelnen Funktionsbereiche mit nur noch einer Spitze angesiedelt. Nicht nur im Hinblick auf unsere gemeinsamen Produktsparten ist es einfach wirtschaftlich sinnvoll, nur noch einen Einkaufsleiter oder einen Leiter für die IT zu ernennen. Das bedeutet aber nicht, dass die bisherigen leitenden Mitarbeiter in diesen oder ähnlichen Funktionen notwendigerweise überflüssig werden, sondern diese werden, wo möglich, den neu gebildeten Teams zugeordnet. So hat Tadano schon kurz nach der Übernahme von Demag unternehmensübergreifende Teams, sogenannte „Cross Company Teams“ eingerichtet, die aus Experten der weltweit agierenden Gesellschaften für ein Funktionsgebiet zusammengestellt wurden. Die haben in ihren jeweiligen Bereichen die entsprechenden Synergieeffekte ermittelt. Zu den klassischen Aspekten gehört dabei zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Zulieferern. Mit dem kombinierten Einkaufsvolumen haben wir hier so bereits positive Effekte, zum Beispiel bei Lieferzeiten und Versorgungssicherheit, erzielen können.

Wird es langfristig zu einer Spezialisierung bei Tadano Demag bzw. Tadano Faun kommen? Hier die Raupen-Gittermast-, dort die Teleskop-All-Terrain- Krane? Und was ist mit dem auf der bauma gezeigten TCC 160?

Ennen: Auch im Rahmen der Produktentwicklung haben wir für die ja bisher getrennt am Markt agierenden Marken bereits ein klares Ziel definiert: In einem ersten Schritt sollen vorhandene Lücken in der Produktpalette aufgefüllt werden. Wir streben durch die Zusammenführung der beiden Produktlinien ein vollständiges Portfolio an. So betrachten wir bereits heute die bauma 2022 und bauma 2025 als Meilensteine in der Zusammenführung beider Unternehmen. Und obwohl wir aktuell kein Modell vor Erreichen desLebenszyklus einstellen, soll es langfristig natürlich keine zwei Krane in der gleichen Kategorie mehr geben. Umgekehrt ist es aber durchaus denkbar, zum Beispiel zwei konzeptionell unterschiedlich angelegte 220-Tonner auch als zwei getrennt angebotene Geräte beizubehalten. Grundsätzlich streben wir eine Modularisierung innerhalb des Angebots an, vor allen Dingen aber werden alle Produkte ein gemeinsames Erscheinungsbild haben und die Stärken beider Marken kombinieren.

… bezogen auf die aktuellen Modellpaletten bedeutet dies?

Ennen: Im Rahmen der geltenden Abgasnormen müssen wir, um ein Beispiel zu nennen, die entsprechenden Krane in ihrer Motorisierung bestehenden Vorschriften anpassen. Das ist, je nach Modell, mit einem mehr oder weniger umfangreichen, konstruktiven Aufwand verbunden. Also bietet es sich an, bei der Anpassung an die EU Stufe 5 mehrere Modelle in einer Traglastklasse durch nur noch eine Variante zu ersetzen. Und was den zuvor angesprochenen „TCC 160“ betrifft: Der heißt nach eigenen Nachrechnungen und der Umfirmierung jetzt tatsächlich „GTC 1800“. Dieser wird ab diesem Jahr unsere Modellpalette ergänzen, da mit ihm eine echte Lücke im weltweiten Angebot geschlossen werden kann. Und es ist eine ideale Ergänzung zu den Geräten unserer amerikanischen Tochter Tadano Mantis, deren Krane eine Hublast von bis zu 130 t aufweisen. Für den „GTC 1800“ sind wir derzeit sogar schon im Gespräch mit Pilotkunden, die bei einer weltweiten Nutzung entsprechende Einsatzspektren sehen.

Ganz generell: Welche Chancen sehen Sie für die Umsetzung zukünftiger, technischer Trends in der Branche, gerade auch im sogenannten grünen Bereich?


Ennen: Natürlich ist in den vergangenen Monaten im Bereich Mobilität nicht nur im gewerblichen, sondern auch im privaten Bereich viel Neues bei alternativen Antriebsarten angestoßen worden. Um ehrlich zu sein: So neu ist das Thema für unser Metier eigentlich nicht. Schon sehr lange gibt es immer wieder einzelne Konzepte von Mobilkranen, die insbesondere einen elektrischen Antrieb haben. Das wird sich vermutlich im kommenden Jahrzehnt irgendwann ändern. In welchem Maße und in welchem Tempo kann ich heute natürlich nicht seriös beurteilen. Auch werden die Arbeitsmaschinen mit Dieselmotoren durch ihre vergleichsweise kleinen Bestandszahlen zumindest noch für längere Zeit am Markt existieren. Selbst große Nutzfahrzeughersteller gehen trotz umfangreicher Batterie- und Wasserstoffstrategien heute davon aus, dass auf lange Zeit gerade Spezialfahrzeuge über einen Dieselmotor verfügen werden. Allerdings bieten wir aber auch heute schon, beispielsweise mit dem E-Pack für den AC 45 City, ein emissionsfreies Betriebskonzept an, das natürlich insbesondere für den Indooreinsatz des kompakten Geräts hervorragend geeignet ist. Eine bedeutendere Rolle bei zukünftigen, technischen Entwicklungen in unserem Segment wird da vielleicht das Faserseil als Alternative zum klassischen Stahlseil spielen. Wir verfolgen die Entwicklung im Markt intensiv, ich muss Ihnen aber ehrlicherweise sagen, dass die Nachfrage seitens der Kunden derzeit wirklich überschaubar ist.

Abschließend noch eine persönliche Frage: Haben Sie sich schon in Zweibrücken eingelebt, in Rheinland-Pfalz ist es ja nicht ganz so flach wie an der Küste?

Ennen: Ganz ehrlich: Angesichts der umfangreichen Aufgaben, die gerade auch mit der Unternehmensübernahme bzw. -zusammenführung verbunden sind, habe ich bisher vergleichsweise wenig Zeit gehabt, ein paar Wurzeln zu schlagen. Um auch das Unternehmen und insbesondere die Kunden besser kennenzulernen, bin ich neben meiner Tätigkeit hier in Zweibrücken natürlich oft auch unterwegs – selbstverständlich von Zeit zu Zeit ebenso in Richtung Norddeutschland. Was ich in jedem Fall als ausgesprochen positiv empfunden habe, ist die Tatsache, dass die Mitarbeiter hier im Werk den Unternehmensübergang nicht als simple Übernahme wahrgenommen haben, sondern dass wir uns auf Augenhöhe begegnet sind. Ein Kranunternehmen hat ein anderes Kranunternehmen übernommen. Gerade auch das gegenseitige Verständnis und der Respekt für die Leistungen des Anderen werden uns dabei helfen, die gesetzten Ziele erfolgreich zu verwirklichen.

Herr Ennen, recht herzlichen Dank für das Gespräch.


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