• Foto: Liebherr

Starkes Hoch mit viel Effizienz


Wer der Meinung war, mit der bauma hätte die Industrie ihr Pulver für’s Erste verschossen, wird eines Besseren belehrt. Auf der anstehenden Conexpo geht die technische Entwicklung munter weiter.


Auch wenn der Branchentreff an der Isar nun schon ein paar Monate zurückliegt, erinnert sich vermutlich noch ein Großteil der Besucher an die unvergleichlich bunte Veranstaltung – und das nicht nur auf die Lackierung der unzähligen Exponate bezogen. Allein das Heer der unterschiedlichen Hebezeuge, ob nun mobil oder stationär, hätte für eine detaillierte Würdigung deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als die maximal möglichen sieben Tage.

So wird Liebherr zur anstehenden Conexpo den Bereich der RT-Krane wiederbeleben. Bis in die 1990er Jahre boten die Ehinger die zweiachsigen Geländekrane an, ehe man sich auf die Weiterentwicklung der LTM-, LR- und schließlich auch der LTR-Baureihen konzentrierte. Interessanterweise ist das Thema bis heute für den Kranbauer präsent, da man für die werkseigene Logistik und Montagearbeiten auf dem Prüffeld auf die flexiblen Hebezeuge aus der einstigen Produktion setzt. Ganz offensichtlich ist dabei überall die Jahre den schwäbischen Vertriebsexperten nicht verborgen geblieben, dass der weltweite Markt für RT-Krane jährlich eine ausreichend große Zahl an Geräten aufnimmt. Und so hat man sich entschlossen, auf Basis bekannter Komponenten zunächst einmal die beiden Baumuster LRT 1090-2.1 und LRT 1100-2.1 auf der Conexpo in Las Vegas der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nicht weiter verwunderlich, schließlich gelten die USA als der RT-Kran-Markt weltweit. 

Die beiden LRT verfügen serienmäßig über die variable Abstützbasis VarioBase, die Kranarbeit selbst wird über die Lastmomentbegrenzung der Liccon-Steuerung abgesichert. Beide Krantypen werden mit einem Cummins-Dieselmotor angetrieben, der alle gültigen Abgasemissionsvorschriften erfüllt. Der Motor leistet 194 kW (264 PS) und bietet ein maximales Drehmoment von 990 Nm. Ein Sechsgang-Lastschaltgetriebe von Dana und großvolumige Bereifung 29.5R25 sorgen für die erforderliche Geländegängigkeit beim Fahren. Die maximale Fahrgeschwindigkeit beträgt 25 km/h. Die 3,87 m hohen und 3,30 m breiten LRT-Krane werden mit Tiefladern auf öffentlichen Straßen verfahren. Das Eigengewicht liegt unter 55 t komplett ausgestattet inklusive Ballast, beziehungsweise unter 40 t ohne Ballast und ohne Ausrüstung. Der 100-Tonner LRT 1100-2.1 bietet einen 50 m langen Teleskopausleger mit einem Telematik- Teleskopiersystem, bei dem die einzelnen Teleskopteile mit nur einem einzigen Zylinder unabhängig voneinander ausgeschoben und dann mit dem darüberliegenden Teleskopteil verbolzt werden. Bei dem neuen Geländekran ist das Teleskopiersystem besonders einfach und bedienerfreundlich ausgeführt, denn mit lediglich zwei Teleskopierpfaden, stark oder lang, sollen optimale Traglasten über den kompletten Ausladungsbereich realisiert werden. Der LRT 1090-2.1 hat einen 47 m langen Teleskopausleger. Sein Teleskopiersystem besteht aus einem zweistufigen Hydraulikzylinder mit Seilausschubmechanik. Für den Zweihakenbetrieb sind das Hubwerk 2 und die erforderliche Mastnase serienmäßig ins Grundgerät integriert. Optional kann eine 10,50 bis 19 m lange Doppelklappspitze an den Teleskopausleger angebaut werden. Sie ist unter 0, 20 oder 40° Neigung anbaubar.

Vielachsiges Highlight der bauma, und damit erneut zurück nach Europa, war übrigens der LTM 1450-8.1, mit dem Liebherr das Thema Achtachser neu interpretierte. Nicht eine bestimmte Lastklasse war das Ziel, sondern ein straßentauglicher Kran mit langem Teleskopausleger sowie reduziertem Rüstaufwand. So fährt der neue Achtachser auf öffentlichen Straßen bei 12 t Achslast mit dem kompletten Teleskopausleger und allen Abstützungen. Der neue Kran bietet darüber hinaus die Möglichkeit, mit variablem Ballastradius zu arbeiten: Mit dem Feature VarioBallast kann der Radius mit einer hydraulischen Verstellung stufenlos von 7 bis auf 5 m reduziert werden – ein Vorteil bei beengten Einsatzbedingungen. Schließlich ist das achtachsige Gerät, ganz im Sinne höherer Wirtschaftlichkeit, mit einem 505 kW (687 PS) starken Liebherr- Motor ausgestattet. Der LTM 1450-8.1 ist somit der vierte Mobilkran, bei dem das neue Ein-Motor- Konzept von Liebherr realisiert ist. Der Oberwagen wird über eine mechanische Welle angetrieben. Dabei werden vom Verteilergetriebe im Unterwagen Gelenkwellen über zwei Winkelgetriebe durch die Drehkranzmitte zum Pumpenverteilergetriebe im Oberwagen geführt. 

Apropos Wirtschaftlichkeit: Die effiziente Nutzung großer Mobilkrane ist nicht nur eine Frage reduzierten Verbrauchs, sondern auch die einer intelligenten Logistik. In perfekter Weise praktiziert dies der Terex-Bestseller Demag CC 3800-1, der seinerzeit als Superlift 3800 präsentiert wurde. Als Brot-und-Butter-Kran macht der 650-Tonner nicht nur in der Windkraft, sondern auch im Infrastrukturbereich und Industriesegment eine ausgesprochen gute Figur. Nach der Premiere als Grundgerät, bei dem beispielsweise schon der Ballast mit anderen Modellen im Sinne einer vereinfachten Logistik kompatibel gestaltet wurde, folgte ein Boom Booster zur Traglaststeigerung. Optional ist darüber hinaus der teilbare Superlift-Rahmen „Split Tray“ mit einer Stecktechnik verfügbar, der beim Aufrichten des Hauptauslegers zum Einsatz kommt: Ist der Hauptausleger aufgerichtet, kann das für den eigentlichen Hub nicht erforderliche Gegengewicht einfach abgekoppelt werden – der Kran wird dann nur mit dem tatsächlich benötigten Superlift-Gegengewicht verfahren. Schließlich erlaubt der ebenfalls neu entwickelte Verstellrahmen „Flex Frame“, der den üblichen Telezylinder ersetzt, den Superlift-Gegengewichtsradius zwischen 13 bis 21 m einzustellen – und das bei vollem Ballast. Dadurch muss weniger Gegengewicht auf- und abgebaut werden, was wertvolle Zeit spart. Last but not least bietet Terex auch eine neue, leistungsfähigere Doppel-Unterflasche für den Superlift-3800-Kran mit dem Boom Booster an. Und besonders wirtschaftlich: Der Boom Booster ist bei allen Neubestellungen des Superlift 3800 möglich, kann allerdings auch separat als „Retrofit-Kit“ zur Nachrüstung bestehender Geräte geordert werden. Kraftstoff bis zu 30 Prozent reduziert. Und auch bei Manitowoc steht das Thema Wirtschaftlichkeit ganz oben auf der Agenda des Kranherstellers. Deutlich wurde dies in München beispielsweise durch ein markantes Taxi-Outfit eines GMK4100L-1, der neben dem neuen GMK5150L sowie dem ebenfalls recht jungen GMK5250L unter anderem ein Ein-Motoren- Konzept mit Fuel-Saver-Funktion verwendet. Hierdurch kann der GMK4100L-1 mehr Gegengewicht mit sich führen und somit eine noch bessere Hubleistung in der Taxi-Konfiguration (12 t pro Achse) bieten. Der neue Kran ist zudem kompakter als sein Vorgänger. Er ist nur noch 2,55 m breit (GMK4100L 2,75 m) und sein Unterwagen ist einen halben Meter kürzer, sodass er auf beengten Baustellen besser manövrierbar ist. Die Einbeziehung der Fuel-Saver-Funktion in den Euromot-4-Motor bedeutet auch eine höhere Rentabilität für den Besitzer. Außerdem soll die Effizienz des Kranfahrers durch Manitowocs neues Kransteuerungssystem (CCS) maximiert werden, das den intelligenten Auslegerkonfigurationsmodus beinhaltet. Damit gibt der Kranfahrer einfach nur das Gewicht der Last, den Radius und die Zielhöhe des Hubs ein, worauf das System per Tastendruck automatisch die richtige Auslegerlänge konfiguriert. Ein weiteres, letztendlich kraftstoffsparendes und materialschonendes Konzept gegenüber herkömmlichen Lösungen stellt der Einbau einer sogenannten Viab- Turbokupplung mit integriertem Retarder im größeren GMK5250L dar – schließlich wird der Fahrer durch die vereinfachte Bedienung entlastet und kostenintensive Fehlbedienungen können vermieden werden. Was den Kraftstoffkonsum betrifft, geht Manitowoc davon aus, dass der GMK5250L bis zu 30 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht als sein direkter Vorgänger, der GMK5220. 

Wirtschaftlich im Sinne einer rationellen Fertigung ist schließlich ein Vertrag zwischen Manitowoc und Sennebogen, der im Kern einen Programmausbau bei den Amerikanern mit den drei Teleskopraupenkranen GHC 55, GHC 75 und GHC 130 nach sich gezogen hat, wobei die Geräte selbst von Sennebogen produziert werden. Der Deal bietet ganz offensichtlich für beide Kooperationspartner Vorteile, kann Manitowoc doch ohne eigene, kostenintensive Entwicklung ein weiter wachsendes Marktsegment bedienen und Sennebogen mit höheren Produktionszahlen die Wirtschaftlichkeit der eigenen Fertigung verbessern. Alle drei Raupen sind mit Tier-4-final-zertifizierten Cummins-Motoren ausgestattet. Last but not least will Tadano mit dem nagelneuen ATF 60G-3 eine echte Alternative zu den bisherigen Dreiachsern bieten. Der Clou: Der Motor und das Getriebe sind im Oberwagen hinter der Kranfahrerkabine verbaut worden, wo er quasi wie zusätzliches Gegengewicht wirken soll. Durch dieses Umdenken ist es Tadano gelungen, einen Kran mit einem 48,20 m langen Hauptausleger zu bauen, der zugleich problemlos die Achslasthöchstgrenzen von 10 bis 12 t einhält und damit in Ländern mit entsprechend strengen Vorschriften einsatzbereit ist. Ergänzen will das Unternehmen das eigene Programm in diesem Jahr mit dem Teleskop-Raupenkran GTC-800.


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