• Foto: Liebherr, Regel

Just-in-time als Regel-Fall


Neben der Vermietung von Autokranen und dem Schwertransport zeichnet sich die Albert Regel GmbH insbesondere auch durch eine langjährige Kompetenz im Bereich Maschinenumzüge aus.


Wie sich die Zeiten ändern: Wurden lange Jahre zwei- oder auch dreiachsige Mobilkrane als sogenannte Taxi-Krane bezeichnet, reicht das Segment heute praktisch schon bis in die Fünfachs-Klasse. Wie zum Beweis erhält Alexander Teifke, geschäftsführender Gesellschafter der Albert Regel GmbH, während eines Interviews mit der K&H-Redaktion Ende März ein Telefongespräch, in dem der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung „für morgen mal eben schnell einen 200- Tonner“ braucht. Da ist Flexibilität gefragt – und das ist in erster Linie, Kenner der Materie erahnen die Herausforderung, nicht unbedingt eine Frage eines zur Verfügung stehenden Mitarbeiters oder gar Krans. Nein, die Antwort liegt heute in der notwendigen (Strecken-)Genehmigung für das Gerät selbst. Das sah vor Jahren oftmals noch ganz anders aus, da stand dann tatsächlich nicht das passende Gerät zur Verfügung.

Ein Wandel innerhalb der Branche, den Alexander Teifke als Enkel des einstigen Firmengründers Albert Regel aus nächster Nähe miterlebt hat. Waren früher vielleicht die Hakenkapazitäten der Krane begrenzt, wird inzwischen eine gebremste Kommunikation mit Behörden oder die kurzfristige Disposition zur Herausforderung bei der Umsetzung der jeweiligen Jobs. Aspekte, die bei der Gründung des Unternehmens im Jahre 1949 so natürlich noch keine Rolle spielten. Denn der aus Schlesien stammende Albert Regel gründete mit zwei Geschäftspartnern einen Fuhrbetrieb und konzentrierte sich zunächst einmal auf den Transport von Baumaterialien – schließlich musste das zerstörte Kassel zunächst von Schutt befreit und dann mit neuen Baustoffen versorgt werden. Nach dem Ausstieg der beiden Partner legte Regel 1950 den Grundstein für die heutige Albert Regel GmbH und schaffte die ersten Spezialfahrzeuge für die Umsetzung von schweren Baumaschinen und Pressen an. Ende der 50er-Jahre stieg man dann mit dem Erwerb eines ersten 30-t-Gittermastkrans in das Kransegment ein. Während der entsprechende Fuhrpark in den 70erund 80er-Jahren auf drei Gittermast-, vier Teleskopkrane und fünf Sattel- bzw. zwei Tiefladefahrzeuge anwächst, zog man 1976 zum heutigen Hauptsitz des Unternehmens in Baunatal-Hertingshausen um. Hier bieten sich bis heute, nicht zuletzt auch durch einen kontinuierlichen Zuerwerb benachbarter Grundstücke, ausreichend Flächen für den deutlich gewachsenen Fuhrpark und die vergleichsweise große Werkstatt.

Mit dem neuen Standort wächst auch die Dienstleistungspalette auf Ausführung von Maschinen-, Betriebs- sowie Industrieumzügen im ganzen Bundesgebiet. Nach dem Tod des Firmengründers Albert Regel im Jahre 1981 übernahm zunächst dessen Ehefrau Emma Regel sämtliche Geschäftsanteile, die diese wiederum in den 90er-Jahren an ihre Kinder Manfred Regel, Peter Regel und Inge Teifke weiterreichte. Es wurde der erste Großkran (400 t) beschafft und für den Bereich Betonfertigteilmontagen die Tochtergesellschaft Regel Montagetechnik GmbH gegründet. Kurz vor der Jahrtausendwende entschloss man sich zur Gründung der Tochtergesellschaft Regel Industrie-Montagen GmbH, die sich fortan auf Komplettservices im Bereich Maschinenumzüge spezialisierte. Neben der reinen Transportleistung bietet das Unternehmen so nun ergänzend auch die De- und Remontage, Inbetriebnahme von Anlagen sowie Reinigungs- und bei Bedarf auch Verschrottungsarbeiten an. Aktuell beschäftigt das Unternehmen inklusive der Tochtergesellschaften rund 120 Mitarbeiter, die bei Durchführung der jeweiligen Jobs auf rund 35 Autokrane, sechs davon bei RMT, mit einer Hubleistung von 30 bis 500 t setzen können. Ergänzt wird die Flotte der schweren Hebezeuge durch 30 Spezialtransportfahrzeuge mit einer Nutzlast bis zu 85 t und über 20 Stapler sowie einem Hubgerüst mit einer Tragfähigkeit bis 400 t, welches insbesondere bei Maschinen- und Industrieumzügen zum Einsatz kommt. Niederlassungen in Kassel, Göttingen, Bad Hersfeld und Fulda unterstützen den Stammsitz in Baunatal mit der entsprechenden Kran- und Schwerlasttechnik. Die Geschäftsführung der Albert Regel GmbH wird inzwischen von Alexander Teifke und Carsten Hildebrandt wahrgenommen. Großkrane für WKA-Wartungsfall. Natürlich zählt zum aktuellen Einsatzspektrum der Regel-Flotte auch weiterhin die Windkraftindustrie – wobei sich die Einsatzfelder im Laufe der vergangenen Jahre etwas verlagert haben. So haben die Hessen nicht zuletzt durch die frühzeitige Beschaffung der Großkrane (bis 500 t) zu Beginn des Windkraft-Booms auch noch komplette Anlagen errichtet, allerdings verlagerte sich das Tätigkeitsfeld mit der zunehmend höheren Hakenkapazität in Richtung Unterstützung bei ergänzenden Arbeiten rund um die Anlagenmontage. Und, da blickt Alexander Teifke mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft, wird das bestehende Equipment doch auch für die in den nächsten Jahren zunehmend gefragtere Unterhaltung der jetzt bestehenden Windkraftanlagen genutzt werden können. Denn schon heute rücken die entsprechenden Krane bei einem defekten Getriebe oder einem beschädigten Blatt für einen kurzfristig geforderten Einsatz aus. Die hierzu immer auch notwendige Flexibilität, die im Übrigen auch bei anderen Einsatzsegmenten an der Tagesordnung ist, ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der hauseigenen Werkstatt, die mit rund zehn Mitarbeitern vergleichsweise groß ausfällt. Dahinter verbirgt sich jedoch die Philosophie, die starke Werkstattmannschaft dank vielfältiger Qualifikation und langjährigem Fachwissen sprichwörtlich als Universalwerkzeug für fast alle Einsatzfälle einplanen zu können.

So kommen die Werkstattmitarbeiter nicht nur bei einem schnellen Kranauftrag zum Einsatz, sondern auch wenn es mal gilt, einen Stapler zu bedienen, eine Hubarbeitsbühne zu übergeben oder einen kurzfristigen Transportauftrag zu bedienen. Ansonsten wird der reguläre Werkstattbetrieb durch Arbeiten an Schwerlastfahrzeugen von Goldhofer (regionaler Servicestützpunkt) sowie umfassenden Aufarbeitungen von Kranen, Staplern und eben auch Tiefladern geprägt. Als außergewöhnliches Beispiel für die Langzeitnutzung des Equipments bei Regel mag da heute ein rüstiger, dreiachsiger Krupp SF 380 gelten, der, zumindest zum Besuch der K&H Redaktion, Kunden und Freunde des Unternehmens direkt am Eingang des Firmengeländes begrüßt, und bei der regelmäßigen Nutzung nicht zuletzt den Auszubildenden des Betriebes hautnah einen Eindruck früherer Nutzfahrzeugtechnik vermitteln kann.

Weniger spektakulär, aber dennoch einer der sprichwörtlich tragenden Säulen der gesamten Arbeitsschwerpunkte bei Regel, stellen die Aktivitäten der Maschinenumzüge bzw. -installationen dar. Auch durch die örtliche Nähe zu einem bekannten Automobilhersteller, sowie die ergänzende Zuliefererindustrie, generieren eine entsprechend hohe bzw. gleichbleibende Nachfrage nach Montageleistungen. Ein echtes Highlight in diesem Zusammenhang stellt dabei seit vielen Jahren bei Regel ein Hubgerüst für eine maximale Last von 400 t dar. In Verbindung mit kompetenten Elektrikern und Hydraulikexperten kann so das Unternehmen aus Baunatal Kunden den heute gewünschten Komplettservice für Maschinenumzüge oder Installationen offerieren, wie dies beispielsweise beim Einbringen einer modernen Kunststoffmaschine der Fall ist. In besonders anspruchsvollen Fällen auch schon mal einer Kombination aller vorhandenen Gerätekategorien. Denn, wo allein das Hubgerüst das Einbringen oder die Demontage einer Maschine nicht bewerkstelligen kann, ergänzen Schwerlastrollen, Luftkissentechnik, Schwerlastanhänger bis 110 t Nutzlast, Schwerlaststapler mit Gabeln bzw. Galgen und nicht zuletzt Klassiker wie AC 30 und AC 40 von Demag die oftmals ausgesprochen anspruchsvollen Halleneinsätze.

Dabei machen gerade auch solche Einsätze erneut deutlich, wie ein langjähriges Know-how in Kombination mit einem eingespielten Team eine wirtschaftliche Transportoder Kranlösung in kurzer Zeit erfolgreich erarbeiten und umsetzen kann. Mit einer flexiblen Werkstattmannschaft im Hintergund, zahlreichen, langjährigen Mitarbeitern sowie einer wohl kalkulierten Modernisierung der Flotte und praxisorientierten Verbesserungen ist so auch fast 70 Jahre nach ihrer Gründung die Albert Regel GmbH in vielen Branchen ein gefragter Ansprechpartner für den Fall der Fälle – und sei es, für einen guten Kunden am nächsten Tag mal eben einen 200-Tonner mit der notwendigen Genehmigung zu disponieren. fh


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