• Die Eisenbahnbaustelle der ICE-Strecke über das Filstal mit dem Vorschubgerüst (Mitte). Fotos: Faymonville
  • Im Rahmen des Risikomanagement ermittelte man die Windanfälligkeit der Transportkombination.
  • Fahrer Jörg Neuhäusel von Krebs Korrosionsschutz behielt immer auch die Querneigung der Selbstfahrer im Auge. Fotos: Faymonville

Ein Drahtseilakt mit hoher Last


Im Rahmen einer neuen ICE-Verbindung zwischen Stuttgart und Ulm entsteht auch die Filstalbrücke. Auf der erlebten jetzt die neuen Cometto-Selbstfahrer von Wiesbauer ihre Feuertaufe.


Der Ausbau der ICE-Verbindung zwischen Stuttgart und Ulm ist im Bereich Verkehrsinfrastruktur ein Jahrhundertprojekt. Es steckt voller Herausforderungen für Mensch und Maschine. Ein bedeutendes Element bildet hierbei die 485 m lange Filstalbrücke. Imposant ragt das Bauwerk nahe Mühlhausen im Täle empor, das nach seiner Fertigstellung zweigleisig ausgelegt ist. Mit einer Höhe von 85 m wird es die dritthöchste Eisenbahnbrücke Deutschlands sein. Erstellt wird diese Konstruktion von der ARGE Max Bögl/Porr. Bei einer Gesamtlänge von 485 m ist sie nach dem neuen Stuttgarter Hauptbahnhof das größte Einzelbauwerk der Deutschen Bahn AG auf dieser neuen ICE-Strecke. Hier sollen Hochgeschwindigkeitszüge ab 2022 mit Tempo 250 km/h in nur sieben Sekunden über das Bauwerk fahren.

Doch bis es soweit ist, geht es bei diesem Projektabschnitt für einen besonderen Moment im Schritttempo voran. So galt es, die 85 m lange blaue Vorschubrüstung zu transportieren, die bisher die Distanz von Brückenpfeiler zu Brückenpfeiler überbrückt und an den gelben Auslegern die Schalung beim Betonieren gehalten hatte. Während unten der Verkehr auf der A8 den Drackensteiner Hang Richtung München rollten, liefen darüber die letzten Vorbereitungen zu diesem einzigartigen Schwertransport. Ein Projekt, das Bauleiter Daniel Welsch von der Firma Porr seit Monaten bis ins kleinste Detail durchplante. „In unserem Ablaufplan stellten wir im Vorfeld jede Phase des Transportes dar. Dabei ermittelten wir auch die auf die Cometto MSPE-Selbstfahrer wirkenden Kräfte“, erinnert er sich an einen der vielen Gedankengänge.

Die Vorschubrüstung wurde im offenen Verbund gefahren. Auf der einen Seite zwei Selbstfahrer-Vierachs-Einheiten von Wiesbauer in einer side-by-side-Anordnung, gegenüber in 58 m Entfernung ein Sechsachs-MSPE des hinzugezogenen Unternehmens Krebs Korrosionsschutz aus Rostock. Die Spezialisten aus Norddeutschland nahmen bei diesem Projekt übrigens ebenfalls eine Schlüsselrolle ein. So waren neben den 20 Achslinien und zwei Power-Pack-Units aus dem Fuhrpark von Wiesbauer in einem sogenannten „cross hire rental“ auch MSPE-Einheiten von Krebs mit von der Partie. Im Einzelnen handelte es sich um weitere sechs MSPE-Achslinien von Cometto mit einer 202-kW-Power-Pack-Unit. Für den geschilderten Einsatzfall hatten die Vorab-Berechnungen eine maximal zulässige Seitenneigung von 4,58 Prozent bei einer Windgeschwindigkeit von 72 km/h ergeben. Da sich ein Sturmtief angesagt hatte, jedoch die ermittelten Eckwerte auch sicher eingehalten werden sollten, wurde der Transport schließlich kurzfristig um einen Tag vorgezogen. Die beiden Transportleiter Jörg Neuhäusel von Krebs und Leonard Schmid von Wiesbauer verlegten und programmierten das Datenkabel zwischen den Power Pack Units so, dass der gesamte Fahrzeugverbund mit nur einer Funkfernbedienung gefahren werden konnte. Außerdem brachten sie mit einer Schlagschnur eine Leitlinie auf der Brücke an, an welcher der Transport penibel genau entlang fahren mußte.

Ganz offensichtlich spielte Jörg Neuhäusel bei allen Manövern seine ganze Routine aus. So drehte er die Leistung der Power Pack Units am Poti der Fernbedienung auf 20 Prozent herunter und bewegte die gesamte Kombination millimetergenau auf den gewünschten Punkt. Begeistertes Resümee von Projektleiter Thomas Reuschel von Max Bögl: „Genauer und besser kann es nicht gehen“.


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